Paul Klee „Sonnenuntergang”, 1930

The Art Institute of Chicago (Schenkung Mr. und Mrs. Leigh B. Block)

Das Gemälde „Sonnenuntergang“ von Paul Klee gehörte zu Grohmanns privater Kunstsammlung – Klee widmete es seinem engen Freund und Förderer. Der Kritiker schätzte das Bild sehr. Als er es 1962 dem befreundeten Galeristen Harry Fischer für eine Bauhaus-Ausstellung nach London geliehen hatte, fragte er nach Ende der Ausstellung: „Was ist eigentlich mit meinem ‚Sonnenuntergang‘? Schickst Du ihn nach München zurück und wann? Möchte ihn ganz gern mal wiedersehen.“ Zwischen Will Grohmann und Paul Klee entwickelte sich seit Beginn der 1920er Jahre eine enge Freundschaft; davon zeugt auch ihre rege Korrespondenz. Seit 1924 publizierte Grohmann regelmäßig über den Künstler, 1954 veröffentlichte er eine umfassende Klee-Monografie als erste Bestandsaufnahme des Gesamtwerkes überhaupt. Darin zählt er dieses Bild zu einer der „wesentlichen Konzeptionen“ der Dessauer Zeit, „die Klee ‚divisionistisch‘ nannte.“ Regelmäßig besuchte Grohmann den Künstler in Dessau und wie von keinem anderen Kritiker fühlte dieser sich verstanden: „… ich muß Ihnen meine Bewunderung aussprechen, wie sie mein kompliziertes Innenportrait zu zeichnen wußten“, schrieb Klee 1929 an Grohmann.
Ernst Ludwig Kirchner „Sich kämmender Akt/Frau vorm Spiegel“, 1913

Brücke-Museum Berlin

Das Gemälde „Sich kämmender Akt“ von Ernst Ludwig Kirchner wurde 1924 mit einigen Werken aus der Frankfurter Sammlung von Ludwig und Rosy Fischer an das Stadtmuseum Moritzburg in Halle verkauft. Grohmann kannte das Gemälde gut, da er eine Veröffentlichung über die Sammlung Fischer plante und im „Cicerone“ über den Transfer berichtete. 1940 ging das Gemälde, das 1937 in Halle als „entartet“ beschlagnahmt worden war, durch einen Tauschvertrag an den mit Grohmann eng befreundeten Galeristen Ferdinand Möller. Von diesem lieh Grohmann das Gemälde für die Allgemeine Deutsche Kunstausstellung Dresden 1946, wo es nach Ende der Ausstellung aber durch die Deutsche Zentralverwaltung für Volksbildung einbehalten wurde. Grohmann, der zu dieser Zeit noch mit der Zentralverwaltung kooperierte, vermittelte die Rückgabe an Möller. Im Rückgriff auf seine beiden Kirchner-Veröffentlichungen zu Lebzeiten des Künstlers (1925 und 1926) publizierte Grohmann 1958 in Zusammenarbeit mit dem befreundeten Kunsthändler Roman Norbert Ketterer eine weitere Kirchner-Monografie.
Gerhard Richter „Porträt Arnold Bode“, 1926

Museumslandschaft Hessen Kassel, Neue Galerie

Mit diesem Gemälde wird in der Ausstellung nicht nur auf die Verbindung Grohmanns zu Gerhard Richter verwiesen, dessen Malerei bereits 1965 durch den Kritiker eine erste Veröffentlichung in der damals führenden internationalen Kunstzeitschrift „Quadrum“ erfahren hat, sondern auch auf die Beziehung zu dem documenta-Gründer Arnold Bode (1900–1977), mit dem Grohmann in guter Verbindung stand. Grohmann war seit der documenta II offiziell in den documenta-Rat berufen worden, arbeitete jedoch bereits bei der I. documenta mit. Aus seinen Erfahrungen im Zusammenhang mit der Organisation den großen Dresdner Ausstellungen 1926 und 1946 in Dresden konnte er Wesentliches zur Konzeption beitragen. Der Kritiker sorgte zudem wie kaum ein anderer in der öffentlichkeit durch seine kritischen Beiträge in den Feuilletons, im Rundfunk und im Fernsehen für eine erfolgreiche Etablierung dieses bedeutenden deutschen Kunstforums. Das Konzept für die II. documenta hatte Grohmann bereits 1958 mit seinem Band „Neue Kunst nach 1945“ weitestgehend vorweggenommen.
George Braque „Früchte auf einem Tischtuch und Obstschale (Fruits sur une nappe et compotier)“, 1925

Centre Pompidou, Musée national d’art moderne I Centre de création industrielle, Paris

Will Grohmann und Georges Braque standen spätestens seit den 1920er Jahren in persönlichem Kontakt. 1929 verfasste Grohmann einen größeren „Cicerone“-Aufsatz über den neuen Formenkanon von Georges Braque, den er als die „tradition française“ schlechthin beschrieb. Grohmanns Aufsatz stellt den Beginn seiner intensiveren Auseinandersetzung mit den Schlüsselfiguren der modernen Kunst in Frankreich dar. Das Gemälde „Früchte auf einem Tischtuch und Obstschale“ („Fruits sur une nappe et compotier“), das sich ehemals in der Sammlung Reber in Lausanne befand, zählte der Kritiker zu den Werken „höchster Vollendung des Malerischen“ […], und beschreibt es als „das Importanteste der Reifezeit“ des Künstlers. Er vermittelte dem Leser seiner kunstkritischen Texte die Werke als Paradebeispiele eines spezifisch französischen Geistes, der die moderne Kunst maßgeblich geprägt hat.
Gerhard Altenbourg „Fern das Gebirge“, 1952

Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett.

Dieses Aquarell Gerhard Altenbourgs steht exemplarisch für die Schnittstelle zwischen Kritiker, privater Galerie (Rudolf Springer) und öffentlichem Museum. Grohmann lernte den Künstler vermutlich über seine Dresdner verwandtschaftlichen Kontakte kennen. Bereits 1952 hatte der Künstler eine erste Ausstellung bei dem Galeristen Rudolf Springer in Berlin (West), mit dem Grohmann regelmäßig in Kontakt stand. Spätestens ab 1962 standen beide in einer brieflichen Korrespondenz. 1967, kurz vor Grohmanns Tod, war Altenbourg der erste und einzige Grohmann-Preisträger, den der Kritiker noch selbst nominiert hatte. Seither wird der Preis jährlich zu seinem Geburtstag am 4. Dezember von der Akademie der bildenden Künste Berlin an junge Maler, Graphiker, Bildhauer oder auch Kritiker verliehen, „die Talent und Eigenart zeigen“ und sich um die Förderung zeitgenössischer Kunst verdient gemacht haben. Anlässlich des 125. Geburtstages Will Grohmanns wird der Preisträger diesmal in Dresden bekannt gegeben. Ab dem 4. Dezember wird er mit einem Werk in der Ausstellung vertreten sein.
Francis Bacon „Studie zu einem Bildnis“, 1953

Hamburger Kunsthalle

Bereits 1962 war das Gemälde in der großen Londoner Bacon-Ausstellung zu sehen, die dann nach Mannheim ging und von dem mit Grohmann eng befreundeten Galeristen Harry Fischer (Marlborough Fine Art, London) organisiert wurde. Grohmanns Interesse für Francis Bacon wurde maßgeblich von dem Galeristen angeregt, der den Künstler vertrat und mit Hilfe des Kritikers für die entsprechende Pressekampagne in Deutschland sorgte. Zudem war das Bild 1964 auf der documenta III ausgestellt, bei der Grohmann Jurymitglied war. In einem Interview 1962 bemerkte Grohmann, der sich selbst als Verfechter der Abstraktion sah: „… nachdem ich diese Bacon-Ausstellung gesehen habe, […] sagte ich mir: die Möglichkeit einer gegenständlichen Kunst besteht absolut, wenn man die Begabung hat, aus der gegenständlichen Welt etwas herauszuziehen. […] Bacon ist auf jeden Fall ein Beispiel und für mich der einzige Beweis, dass gegenständliche Kunst noch möglich ist.“
Wassily Kandinsky „Einige Kreise“, 1926

Solomon R. Guggenheim Museum New York

Wassily Kandinskys Gemälde „Einige Kreise“ ist ein Schlüsselwerk der Ausstellung, das ehemals im Bestand der Dresdner Sammlung war und nun erstmals seit der Aktion „Entartete Kunst“ wieder in Dresden zu sehen ist. Es gehörte zu jenen Bildern, die Grohmann als Freund und Wegbegleiter der Bauhaus-Künstler, wie Klee, Kandinsky, Feininger, und als Mitoranisator der großen Internationalen Kunstausstellung Dresden 1926 direkt aus den Dessauer Meisterateliers nach Dresden holte, um die jüngsten und besten Werke der Künstler auf dieser groß angelegten Schau zu präsentieren. Von Kandinsky wurde Grohmann in die Ankaufsverhandlungen einbezogen. Für den Künstler zählte „dieses Bild zu den allerbesten [seiner] Arbeiten“ und „kunstpolitisch“ fand er den Ankauf durch „eines der besten deutschen Museen ausserordentlich wichtig“. Und Kandinsky schrieb weiter: „Ich rechne in diesem Fall mit Ihrer Autorität und besonderer Energie und hoffe, dass Sie sich für mich einsetzen werden. Nicht wahr?“ Im Vorfeld eines 1930 von Grohmann in Paris veröffentlichten Bandes über Kandinsky schrieb ihm dieser ausführliche Erläuterungen zum Bildthema des „Kreises“. 1958 erschien Grohmanns umfassende Werkmonografie über Kandinsky.