Visualisierung „Netzwerk Will Grohmann“

Der Kunstkritiker und Autor Will Grohmann hat über ein halbes Jahrhundert hinweg – vom Ende des Ersten Weltkrieges bis zu seinem Tode 1968 – ein weltweites Netzwerk von Künstlern, Galeristen, Sammlern, Museen und Medienleuten aufgebaut und gepflegt, das er zur Förderung „seiner“ Künstler nutzte.

Bereits in einer frühen Phase des Grohmann-Projektes wurde deutlich, dass es schwierig sein würde, dieses Netzwerk in Texten zu beschreiben. Als wesentlich geeigneter erschien es, die globalen Aktivitäten Grohmanns für den Ausstellungsbesucher in einer Visualisierung erlebbar zu machen, wobei sich die kartographische Darstellung besonders anbot. Eine statische Karte kam dafür allerdings nicht in Frage. Es war eine interaktive Anwendung zu entwickeln, die die Dynamik der Aktivitäten des Kunstkritikers in ihren zeitlichen und räumlichen Veränderungen darstellt.

Erste konzeptionelle Überlegungen stammen von der Projektleiterin Dr. Konstanze Rudert. Darauf bauten strategischen Entscheidungen hinsichtlich der Datenbanken und der benötigten Applikationen auf (u. a. der Vorschlag, mit Jahreskarten, also Zeitschnitten zu arbeiten), die Dipl.-Ing. (FH) Clemens Rudert (GIS-Fachstelle Kanton Basel-Landschaft) entwarf.

Für die detaillierte Entwicklung und Gestaltung der interaktiven Anwendung „Netzwerk Will Grohmann“ konnte Sebastian Kraft von der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden, Fakultät für Geoinformation, gewonnen werden, der die Hauptarbeit leistete. Seine fachliche Betreuung übernahm Dipl.-Ing. Ines Schwarzbach von der HTW Dresden. Clemens Rudert, selbst Absolvent der Fakultät für Geoinformation der HTW, stand bis zum Abschluss des Projekts als Berater zur Verfügung und unterstützte bei der Programmierung, der Entwicklung der Produktivumgebung und bei der Einrichtung der Hardware.

Die Umsetzung erfolgte in interdisziplinärer Zusammenarbeit zwischen den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, der HTW Dresden und der Technischen Universität Dresden. Grundlage der Anwendung waren die Daten zu den Kontaktpersonen Will Grohmanns, die durch das Grohmann-Projekt der SKD recherchiert wurden. Diese wurden durch Sebastian Kraft als Bearbeiter des Projektes fünf Weltkarten zugeordnet, die jeweils für wichtige historische Zäsuren (Zeitschnitte) stehen. Die Datenzuordnung und die Datenbankumsetzung übernahm Ines Schwarzbach. Durch die Programmierung der Oberflächen und das Bereitstellen der Daten in Datenbanken wurden die Biographie Grohmanns und die kartographische Darstellung aufeinander bezogen. So wird die Dynamik des Grohmannschen Netzwerkes für den Ausstellungsbesucher visuell erlebbar und interaktiv abrufbar. Im Design sowie in der Präsentation wurde das Projekt durch Studenten der Medieninformatik der TU Dresden unterstützt.

Der Aufbau der Anwendung lehnt sich an die Nutzung interaktiver Web-Karten an (vergleichbar GoogleMaps), deren Bedienung bei den meisten Ausstellungsbesuchern vorausgesetzt werden kann. Über solche interaktiven Web-Karten hinausgehend, besteht jedoch in der Anwendung die Möglichkeit, zeitliche Dynamik darzustellen. So können Grohmanns Kontakte zu seinen Netzwerkpartnern über den Zeitraum seines Berufslebens hinweg jahresweise visualisiert werden. Veränderungen historischer Grenzen, Ortswechsel der Kontaktpersonen sowie Erweiterung und Differenzierung des Netzwerkes lassen sich abbilden.
Die Kartenanwendung enthält neben der zeitlich dynamischen Karte auch weitere Sachinformationen zu den jeweiligen Personen als Kurzbiographien, ergänzt um Porträts der Netzwerkpartner. Dadurch ist es dem Ausstellungsbesucher möglich, über die eigentliche Visualisierung des Netzwerkes hinaus vertiefende Inhalte abzurufen.
Um die Bedienung für den Nutzer zu erleichtern, wurde ein Hilfesystem integriert, das durch Nutzung des „?-Buttons“ aktiviert werden kann.