Grohmann als...

  • Kunstkritiker und Kunstvermittler

    Grohmann wirkte bis zu seinem 60. Lebensjahr von Dresden aus. Hier arbeitete er mit den bekannten Dresdner Galerien Richter, Arnold und Neue Kunst Fides zusammen und unterstützte in den 1920er Jahren den Galeriedirektor Hans Posse bei der Organisation von Ausstellungen moderner und zeitgenössischer Kunst.

    Seine Aktivitäten begleiteten in zeitlicher Parallelität die Kunstentwicklung im 20. Jahrhundert und umfassten einen Zeitraum von ca. 50 Jahren – vom Ersten Weltkrieg bis zu seinem Tod 1968. Dabei stand er in engem Kontakt zu Mitgliedern der Künstlergruppe Brücke, war an der Dresdner Sezession 1919 beteiligt, trat für die Künstler des Bauhauses ein, führte das deutsche Publikum an die französische Moderne heran und warb nach 1945 im In- und Ausland für die deutschen Abstrakten.

    Schwerpunkte seiner Arbeit waren die Tätigkeit als Publizist und als Kunstkritiker in den Feuilletons der führenden deutschen Zeitungen sowie seine Rundfunkbeiträge über Künstler und Ausstellungen. Diese hatten in den fünfziger und sechziger Jahren einen beachtlichen Grad an Breitenwirkung erreicht, was der Bekanntmachung von Künstlern und ihren Kunstwerken zugute kam. Immer standen dabei konkrete Einzelwerke der Künstler im Vordergrund, die vermittelt, angekauft, ausgestellt wurden, über die in verschiedenen Kontexten gestritten, geschrieben und gesprochen wurde.

  • Wissenschaftlicher Autor

    In seiner Tätigkeit als Kritiker, Vermittler, Kurator und Berater pflegte er einen engen persönlichen Kontakt zu bedeutenden Künstlern des 20. Jahrhunderts, über die er nicht nur in Tageszeitungen und Zeitschriften schrieb, sondern auch in einzelnen Monographien und Aufsätzen, die bis heute als Standardwerke gelten. Sein komplexes Wirken im Kunstbetrieb der Nachkriegszeit und das freundschaftliche Verhältnis zu Künstlern und Kunstschaffenden begünstigten seine Arbeit als wissenschaftlicher Kunstschriftsteller zweifelsohne. Bis heute genießen seine Publikationen zu Klee, Kandinsky, Kirchner und Baumeister einen hohen Stellenwert in der Kunstwissenschaft.

  • Kurator

    Nach seinen kuratorischen Tätigkeiten für die Dresdner Sezession und zahlreiche Galerien in den 1920er Jahren wurde Grohmann auch als Kurator und Mitorganisator bedeutender Ausstellungen im gesamtdeutschen Raum sowie im Ausland bekannt. So hatte er beispielsweise bei der Internationalen Kunstausstellung 1926 und der Allgemeinen Deutschen Kunstausstellung 1946 in Dresden, bei der documenta I, II und III sowie den Biennalen von Venedig und São Paulo einen maßgeblichen Anteil an der internationalen Vermittlung der Avantgarden.

  • Lehrer

    Nach Abschluss seines Staatsexamens und Reisen durch Deutschland und Frankreich war Will Grohmann ab dem 27. August 1914 zunächst als Probe- und Aushilfslehrer tätig. Neben über 100 Kunsterziehungsabenden in 10 Jahren trug er als Lehrer für Deutsch, Geschichte und Kunsterziehung zur Profilierung der bildenden Kunst im damaligen Bildungssystem bei.

    Auch in Zeiten größter Not und Sorge war das Lehrerkollegium des König-Georg-Gymnasiums in Dresden, zu denen Grohmann seit dem 1. August 1918 offiziell zählte, stets um eine Wende in der Kunsterziehung bemüht und zeigte sich dementsprechend einflussreich – über die Grenzen der Schulgemeinde hinaus und unter starkem Einfluss der Musik, Literatur sowie des Schauspiels.

    Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 wurde Grohmann als Lehrer des König-Georg-Gymnasiums zu Dresden entlassen. Doch in der Nachkriegszeit konnte er wiederum an der Hochschule für Werkkunst in Dresden Fuß fassen. Seit 1948 unterrichtete Grohmann in Berlin als Dozent für Kunstgeschichte an der Hochschule für Bildende Künste.

  • Kunstsammler

    Im Laufe seines Lebens baute Will Grohmann eine umfangreiche Privatsammlung auf. Seine engen Kontakte zu den Künstlern unterschiedlicher Strömungen trugen entscheidend dazu bei, dass er mit verhältnismäßig bescheidenen Mitteln eine Kollektion von beachtlicher Qualität zusammentragen konnte, welche den von ihm mit formulierten Kanon der modernen Kunst widerspiegelte.

  • Protektor und Kunstpolitiker

    Sehr intensiv korrespondierte Grohmann mit Künstlern und mit Personen aus öffentlichen sowie privaten Institutionen weltweit. Seine kunstkritischen Beiträge zeigen ein Spektrum von Wohlwollen bis Vernichtung. Er kritisierte und protegierte Künstler, Galeristen, Kunsthändler, beriet öffentliche Museen wie auch private Sammler, sein Urteil in den verschiedensten Jurys war gleichermaßen gefragt und gefürchtet.

    Daneben agierte er auch auf kulturpolitischem Terrain, sei es in der Weimarer Republik, in der Sowjetischen Besatzungszone oder in West-Berlin. Sein Wirken während der NS-Zeit wird ambivalent beurteilt und bedarf weiterer Forschungen.

  • Künstlerfreund

    Ob Kandinsky, Klee, Kirchner, Baumeister, Hartung, Schultze oder Segall – Will Grohmann pflegte enge und langjährige Freundschaften zu den bekanntesten Künstlern der Moderne. Bisher konnten mehr als 2.800 Korrespondenzpartner gezählt werden und weitere sind wahrscheinlich. Daneben stand Grohmann in Briefkontakt mit Galeristen und Kunsthändlern, Verlegern und Publizisten, Museumsleuten, Kunst- und Kulturwissenschaftlern, Kulturpolitikern, Kunstsammlern und Philologen – über die Grenzen Deutschlands hinaus. Er verstand es, seine über Jahrzehnte gesammelten Kontakte geschickt einzusetzen, um seine Netzwerkkreise zu erweitern, immer wieder neue Künstler zu entdecken und zu fördern, indem er sie ausstellte und in namhaften Medien publizierte.


    Laser Segall

    So schrieb Lasar Segall an Will Grohmann:

    Wir trafen uns zum erstenmal […] 1918, wir waren jahrelang zusammen, nicht als Menschen die sich bei vorübergehenden Stimmungen trafen, sondern die zusammen geistige Dinge erlebten und ihre Zeit mit Kunst und Lebensfragen ausfüllten.

    (07.03.1928, Staatsgalerie Stuttgart, Archiv Will Grohmann)


    Paul Klee

    Eine der längsten und intensivsten Künstlerfreundschaften bestand zu Paul Klee. Klee wurde bereits 1920 als Gast zur Ausstellung der Dresdner Sezession eingeladen, an der Grohmann mitwirkte. Spätestens seit dieser Ausstellung in der Galerie Ernst Arnold (Oktober bis November 1920), die Grohmann auch eröffnete, bestanden Kontakte zwischen Klee und Grohmann. Eine ausführliche Korrespondenz bezeugt die über die Jahre gewachsene, sehr enge freundschaftliche Beziehung zwischen beiden.

    1929 korrespondierte Grohmann mit Klee über eine Veröffentlichung in Frankreich. Sehr zufrieden nach Erhalt der deutschen Textfassung von Grohmann kommentierte Klee:

    Ich muss Ihnen meine Bewunderung aussprechen, wie Sie mein compliziertes Innenporträt zu zeichnen wussten. […] Ich werde dann versuchen, Ihnen das ausbleibende Honorar auf meine Weise einigermassen zu ersetzen.

    (Klee an Grohmann, 3.7.1929, Staatsgalerie Stuttgart, Will Grohmann Archiv).


    Wassiliy Kandinsky

    Ebenso bestand zu Wassily Kandinsky eine jahrelange Freundschaft. Der 4. Dezember 1926 war nicht nur Grohmanns 39., sondern auch Kandinskys 60. Geburtstag sowie Tag der Eröffnung des Dessauer Bauhauses, wo Kandinsky bereits tätig war. Anlässlich des 60. Geburtstages von Kandinsky fand in der Dresdner Galerie Arnold im Oktober eine von Grohmann organisierte Kandinsky-Ausstellung statt. In dem Begleitkatalog schrieben neben Grohmann auch Paul Klee, Katherine S. Dreier und Fannina Halle. Will Grohmann führte die Besucher durch die Ausstellung.

    Kandinsky und Grohmann trafen sich erstmals, als sich Kandinsky 1923 auf Einladung Grohmanns als Gastmitglied bei der Sommer-Ausstellung der Dresdner Sezession Gruppe 1919 im Graphischen Kabinett Hugo Erfurth in Dresden beteiligt. Die sich daraus entwickelnde Freundschaft und Zusammenarbeit ist in einem langjährigen und intensiven Briefwechsel von 1923 bis 1943 dokumentiert. Er verweist ebenso auf die vielen gegenseitigen Besuche und gemeinsamen kunsttheoretischen Diskurse.


  • Berater

    Will Grohmann arbeitete seit den 1920er Jahren aktiv als Berater für Museen, Galerien, Auktionshäuser und Sammler national und international. So unterstützte er unter anderem Hans Posse, den damaligen Direktor der Dresdner Gemäldegalerie, bei der Auswahl von Kunstwerken aus dem Bauhaus-Kontext und war später an Ankäufen für die Neue Nationalgalerie in Berlin beteiligt.

    Namhafte Galeristen und Kunsthändler, wie Ludwig Wilhelm Gutbier in der Galerie Arnold oder Rudolf Probst von der Galerie Neue Kunst Fides in den 20er Jahren, engagierten Grohmann als Experten für die deutschen Expressionisten.

    Eine enge Beziehung entstand in diesem Zusammenhang auch mit Ferdinand Möller, mit dem er bis zu dessen Tod 1956 zusammenarbeitete.

    Darüber hinaus beriet Grohmann die Dresdner Sammlerin Ida Bienert sowie auch Karl Ströher, einen der Eigner des Darmstädter Wella-Konzerns, dessen umfangreiche Sammlung zur Moderne später den Grundstock für das Museum für Moderne Kunst in Frankfurt am Main bildete.

    Grohmann war auch auf dem internationalen Parkett als Berater in Kunstdingen tätig, zum Beispiel für Harry Fischer und die 1946 in London gegründete Galerie Marlborough Fine Art oder Curt Valentin, mit dem er bis 1954 zusammenarbeitete.